Ablauf der Graduierung

Graduierungen: Passagen & Prüfungen

Als Graduierung bezeichnet man die Verleihung eines Kyu- oder Dan-Grades im Rahmen einer Passage, einer Prüfung oder einer Promotion. Bei uns im Dojo organisieren wir Kyu-Passagen und Dan-Prüfungen mit externen Prüfer*innen.

Eine Passage unterscheidet sich von einer Prüfung darin, dass hierbei nicht die Bewertung, sondern die persönliche Entwicklung im Vordergrund steht. Zwar gibt es bei einer Passage nicht die Möglichkeit durchzufallen, gleichzeitig sind die Anforderungen an die Teilnehmenden eher höher, da die Intensität der Vorbereitung Voraussetzung zur Zulassung ist. Der Umfang der für jeden Grad erforderlichen Techniken und die erwarteten Fähigkeiten sind bei beiden die gleichen (siehe Lehrplan).

Promotionen sind verliehene Grade, üblicherweise ab dem 5. Dan aufwärts.

Ziel der Graduierung

In den Kyu-Passagen zeigst du deine zunehmende Vertrautheit mit den Prinzipien des Aikido, die du durch regelmäßige Teilnahme am Unterricht und an Seminaren entwickelt hast. Du machst eine Passage immer für dich selbst, nicht für die Lehrer*innen oder um dich mit anderen zu vergleichen.

Deine eigene Vorbereitung auf die Passage hilft dir, dein Wissen und deine Fertigkeiten zu festigen. Nutze diese Zeit, denn jeder Grad steht für einen Reifeprozess mit einem eigenen Schwerpunkt. Durch eine bewusste Vorbereitung wirst du spürbare Fortschritte machen und an Selbstvertrauen gewinnen.

Die Passage soll dir Spaß machen, sie soll ein besonderes Ereignis sein, auf das du dich freust. Und es soll für alle Beteiligten eine gute Erfahrung werden – daher steht die Gesundheit der Partner*innen an erster Stelle.

Lehrplan

Der Lehrplan für die einzelnen Grade umfasst die Kihon Waza (Basistechniken), die Grundlage fortgeschrittenen Übens sind. Die einzelnen Kyu-Grade (Schülergrade) bauen systematisch aufeinander auf und führen dich schrittweise an das Niveau für den ersten Dan-Grad (Schwarzgurt) heran.

In unserem Dojo werden nur Kyu-Grade als Passage organisiert, Dan-Grade erfordern eine spezielle Prüfungskommission, die vom Aikikai Tokio anerkannt ist. Wir bereiten auf die Dan-Prüfungen bei Jan Nevelius Shihan und im Rahmen der Prüfungsordnung der Aikido Föderation Deutschland vor.

Informationen zu den speziellen Anforderungen für die einzelnen Grade gibt es in den individuellen Merkblättern des Lehrplans.

Hakama

Ab dem zweiten Kyu wird in unserem Dojo der Hakama getragen (jap. Hosenrock).*

Der Hakama zeichnet dich als fortgeschrittene/n Aikidoka aus, womit du innerhalb des Dojos eine Vorbildfunktion übernimmst. Dazu gehört, dass du Anfänger*innen durch dein Verhalten eine Orientierung gibst und selbstverantwortlich Aufgaben übernimmst.

Du repräsentierst damit das Dojo auch nach außen, was sich besonders durch Höflichkeit, Achtsamkeit und Hilfsbereitschaft auf Lehrgängen und in der täglichen Praxis zeigt.

Generell gilt: Je höher der Grad, desto bescheidener und aufmerksamer sollte das Auftreten sein.

*Der Hakama hat sieben Falten (fünf vorne, zwei hinten), die für die sieben Tugenden der Samurai stehen: Gerechtigkeit, Mut, Güte, Höflichkeit/Freundlichkeit, Aufrichtigkeit/Wahrhaftigkeit, Ehrgefühl/Respekt und Treue/Pflichtbewusstsein. Je nach Lesart werden auch Geduld, Bescheidenheit, Reinheit und Weisheit dazu gezählt.

Ablauf der Graduierung

Zuschauer

Passagen und Prüfungen sind öffentlich: Freund*innen und Familienangehörige dürfen zusehen.

Zuschauer*innen sitzen am äußersten Mattenrand im Knie- oder Schneidersitz bzw. außerhalb der Matte auf Stühlen oder Bänken. Auch für sie gilt die übliche Dojo-Etikette: leise sein, nichts essen oder trinken, nicht gegen Wände lehnen.

Während der Graduierung werden keine Foto- oder Videoaufnahmen gemacht.

Vorbereitung

Wichtig: Bitte bringe deinen Dojo-Pass und die Teilnahmegebühr zur Passage mit!

Beides wird unmittelbar vor Beginn der Graduierung an die Jury übergeben.

Bis zum 3. Kyu weist dir die Jury einen Uke zu. Ab dem 2. Kyu verabredest du dich selbständig einige Monate vor der Passage mit einem Uke (Daumenregel: gleicher Grad oder eine Stufe darüber). Mit diesem Uke übst du in der Zeit vor der Passage besonders intensiv, auch außerhalb der regulären Trainingszeiten.

Ablauf

Zu Beginn der Prüfung knien die Kandidat*innen und ihre Ukes nebeneinander in einer Reihe ab.

Sobald die Kandidat*innen (Tori) namentlich aufgerufen wurden, gehen sie im Shikko 3 Schritte vorwärts. Die Ukes wechseln auf die ursprüngliche Position hinter Tori. Wenn die Prüfung Waffen erfordert, hat der jeweilige Uke diese sichtbar für die Jury direkt neben sich liegen.

Auf die Ansage „Shomen ni rei" wenden sich alle auf der Matte Anwesenden zum Shomen (Kamiza) und verbeugen sich auf „rei".

Auf die Ansage „Otagai ni rei" verbeugen sich Tori und Uke zueinander. Beide sagen deutlich „Onegai Shimasu", bleiben gegenüber sitzen und warten auf die nächste Ansage der Jury.

Die Jury sagt alle Techniken deutlich an. Die Ausführung wird solange wiederholt, bis die nächste Technik angesagt wird oder das Signal zum Beenden kommt.

Wird nichts anderes vorgegeben, so wird jede Technik abwechselnd auf jeder Seite ausgeführt (rechts/links). Diese Kombination erfolgt zuerst in Omote, dann in Ura.

Die Techniken werden still ausgeführt; Rückfragen bei der Jury sind nur dann üblich, wenn die Ansage akustisch nicht verstanden wurde.

Bleibe immer in Bewegung:

  • Falls du eine Ausführung nicht mehr genau weißt, mache das, woran du dich erinnerst.
  • Falls du versehentlich eine andere als die angesagte Technik ausführst, dann vollende zunächst diese Technik, bevor du mit der angesagten Form beginnst.

Sei während der gesamten Passage konzentriert und behandle deinen Uke respektvoll. Achte auf Zanshin: Zeige, dass du deinem Partner/deiner Partnerin gegenüber immer wachsam bist, auch zwischen den einzelnen Techniken.

Die Passage wird mit „Owari Masho" beendet. Tori und Uke knien sich einander gegenüber ab.

Auf die Ansage „Otagai ni rei" verbeugen sich beide zueinander. Beide sagen deutlich „Arigato Gosai Mashita".

Auf die Ansage „Shomen ni rei" verbeugen sich alle auf der Matte Anwesenden zur Kamiza. Alle Teilnehmer*innen gehen danach in die Reihe zurück.

Abschluss

Auf die Passage folgt eine kurze Pause, in der die Jury berät. In dieser Zeit können die Kandidat*innen sich entspannen (z.B. sich mit den Partner*innen über die Erfahrungen während der Passage austauschen oder kurz von der Matte gehen, um etwas zu trinken, aber nicht den Raum verlassen).

Wenn die Beratung abgeschlossen ist, knien sich Toris und Ukes wieder in einer Reihe ab.

Die Teilnehmer*innen werden nun einzeln aufgerufen (zwei Schritte vorwärts im Shikko), und ihre Grade werden verkündet. Danach verbeugen sich Kandidat*innen und Jury voreinander, und die Kandidat*innen gehen wieder in die Reihe zurück.

Die Jury gibt im Anschluss Feedback und weist die einzelnen Kandidat*innen auf Punkte hin, die für die nächste Passage von Bedeutung sind.

Die Urkunden werden entweder direkt im Anschluss oder bei einem der folgenden Keikos überreicht. Bitte bringe eine Schutzhülle zum Transportieren mit.

Die Graduierungen werden der Lokalpresse zur Berichterstattung übermittelt, in der Regel mit Gruppenfoto, und sie werden auch auf unserer Website und in den sozialen Medien des Dojos veröffentlicht. Wir danken für dein Verständnis hierfür, denn diese Kommunikation hilft uns, neue Mitglieder zu gewinnen.

Feier

Es ist alte Tradition, dass die neuen Kyu-Grade den Anwesenden nach der Passage eine Runde Getränke ausgeben (da das bei uns im Vereinsheim geschieht, ist das nicht teuer). Für Kandidat*innen unter 18 Jahren übernimmt das Dojo die Kosten.

Stand: Juli 2026